Unsere Reiseroute

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Mittwoch, 21. März 2012

Von Tupiza über Tarija nach Potosi

Vom Paradies in die Hölle

Tupiza ist eine kleine Stadt, die umgeben ist von einer zerklüfteten, roten Gebirgskette.
Entlang dieser Felsen schlängelt sich ein Fluss, sodass die Landschaft sehr an die des Gran Canyon oder an die des Wilden Westens erinnert. Untermauert wurde dieser Eindruck durch die zahlreichen Kakteen.
Ja, und wie erkundet man am besten die Landschaft des Wilden Westens, genau zu Pferd. Gesagt, getan.        
Schnell setzten wir einen Cowboyhut auf, schwangen uns aufs Pferd und ritten durch die Prärie. Tonis und mein Pferd waren sehr genügsam. Ähnlich wie wir zwei wollten auch sie die Landschaft in Ruhe genießen. Als uns doch mal der Sinn nach einer etwas schnellen Reise war, konnten wir unsere Pferde zu einem gelegentlichen Traben überzeugen, Galopp war nicht drin. Sicherlich war das auch besser so, schließlich sind unsere Reitkenntnisse sehr begrenzt.
Die Pferde der anderen Mitstreiter unserer Gruppe waren ungezähmter. Sie galoppierten öfters vorne weg und auch wenn die Reiter nicht erfahrener waren, als wir, hielten sie sich erstaunlich gut auf dem Pferderücken. 


Aussicht vom Cerro del la Cruz


Umland von Tupiza
Casa Dorada in Tarija
Nach dieser Wild West Erfahrung gelustete es Toni und mir nach einem guten Tropfen Wein.
Tarija war hierfür der beste Ort. Hier werden die besten Weine Boliviens produziert. Tarija erreichte auf unsere Liste der schönsten Städte Boliviens Platz 1. Die Stadt war ganz anders, im Vergleich zu den schon gesehenen Städten
Sie ist sehr sauber, geschmückt mit vielen grünen Parks und zahlreichen, gut erhaltenen Kolonialbauten und die Einheimischen sind wahnsinnig freundlich.
Vielleicht ist diese freundlich Art auf den Konsum des guten Weines zurück zu führen, vielleicht aber auch auf das angenehme gleichbleibende Klima von ca. 27°C.
Wir mussten uns auf jedem Fall von der Qualität der Weine selbst überzeugen, weshalb wir eine Weintour unternahmen. Wahrhaftig wurden die Weine ihrem Ruf komplett gerecht. Sie waren vollmundig, fruchtig und zu einem guten Stück Camembert oder einer Scheibe Parmaschinken hat sich das Aroma prächtig entfaltet. Ein absoluter Gaumenschmaus. Untermauert wurde das ganze durch gute Gespräche mit unserem Fahrer (wir freuten uns, dass wir so viel verstanden und er vor allem uns verstand) und einheimischer Livemusik.
Insgesamt war das ein wunderschöner und genussreicher zweitägiger Aufenthalt in Tarija.

Singanibrennerei



Und dann kam Potosi.
Potosi war eins die reichste Stadt von Bolivien und einer der reichsten Städte der Welt. Grund hierfür waren die hohen Silbervorkommen in dem ortsansässigen Cerro Rico (reicher Berg) und deren Abbau.
Als die Spanier Südamerika eroberten und es kolonialisierten wurde Potosi von ihnen komplett geschröpft. Einheimische und Menschen aus Afrika wurden versklavt, um das Silber aus der Mine für die Kolonialmacht abzubauen. Die Bedingungen unter denen die Menschen arbeiten mussten waren unmenschlich und tödlich. In dieser Zeit gab es weder Dynamit noch mechanische Hilfsmittel, weshalb die Arbeiter das Gestein mit Manneskraft bearbeiten mussten. Der Schriftsteller Eduardo Galeano, der dieses traurige Kapitel Potosis verarbeitet, schrieb 1982 in seinem Buch „Die offenen Adern Südamerikas“, dass die Spanier so viel Silber aus dem Berg holen ließen, dass sie eine Brücke aus Silber von Potosi nach Spanien hätten bauen können. Gleichzeitig hätte man mit den Leichen der Arbeiter ebenfalls eine Brücke über die gleiche Distanz bauen können. Zum Teil mussten die Arbeiter, die meist Sklaven aus Afrika oder die Einheimische indigene Bevölkerung waren, bis zu 6 Monate dauerhaft unter Tage bleiben. Wenn sie nach diesem halben Jahr aus der Mine raus durften, wurden ihre Augen verbunden, damit sie nicht durch das Sonnenlicht erblinden. Ca. 8 Mio. Arbeiter starben in rund 300 Jahren auf Grund der unmenschlichen Bedingungen.

Doch die Zeiten haben sich verändert. An den schicken Kolonialbauten kann man den einstigen Glanz der Stadt erahnen. 










Aus dem Cerro Rico werden immer noch Mineralien abgebaut. Heute arbeiten die Männer in der Mine jedoch freiwillig, um ihre Familie zu unterstützen. In guten Monaten können sie 100-400 Euro verdienen, was im Vergleich zu dem normalen Lohn von ca 80 Euro sehr viel ist. Der Preis, den sie dafür bezahlen, ist jedoch außerordentlich hoch.
Bei einer Minentour konnten Toni und ich uns selbst von den noch immer sehr schwierigen Arbeitsbedingungen überzeugen.
Wir waren 2 Stunden in der Mine und waren heil froh, als wir wieder raus waren. Potosi liegt auf 4.000 m Höhe, was das Atmen etwas erschwert. Je weiter wir in die Mine liefen, desto wärmer und stickiger wurde es. Am wärmsten Punkt waren es ca 40°C. Die Gänge waren furchtbar eng, sodass wir an manchen Stellen nur auf allen Vieren kriechend oder an der engsten Stelle uns nur im Liegen robbend den Weg nach Draußen bahnen konnten.
An einer Stelle war die Luft, auf Grund der Mineralien, so dünn und stickig, dass Toni und ich fast in Panik gerieten. Wir beruhigten uns gegenseitig und krochen weiter. Wie gesagt und das waren nur 2 Stunden. Die Männer arbeiten dort unten 8, 10 in seltenen Fällen auch 20 Stunden 5 oder mehr Tage in der Woche. Während der Zeit in der Mine haben sie nichts zu essen. Sie kauen die ganze Zeit Cocablätter und ihre einzigen Hilfsmittel sind Dynamit und zum Teil mechanisch funktionierende Bohrer. Zum Feierabend trinken sie ein alkoholisches Getränk, das aus Limonade und 96% Alkohol besteht.
Coca ist nicht illegal und hat auch keine berauschende Wirkung. Von Ausländern wird es oft mit Kokain verwechselt, was absolut falsch ist. Die Droge wird zwar aus den Blättern gewonnen, die Blätter in ihrer natürlichen Form sind aber ungefährlich. Das Kauen von Coca soll das Hunger- und Schmerzgefühl senken und gegen die Höhenkrankheit helfen.
In der Mine werden Heute noch etwas Silber (das was die Spanier noch übrig gelassen haben) Zinn, Quarz und andere Mineralien abgebaut.
Das zu erreichende Lebensalter der meisten Arbeiter liegt bei 45-50 Jahren. Todesursache ist in den meisten Fällen die so genannte Staublunge, die durch den Mineralienstaub erzeugt wird.

Die Tour war für uns eine sehr lehrreiche, aber auch erschütternde Erfahrung. Wir können ohne Zweifel sagen, dass diese Leute wahnsinnig viel leisten, aber einen Höllenjob haben.




Vor dem Einstieg in den Berg

In dem Berg

Nach dem Berg (man beachte meinen Helm)
In dem Film „The Devils Miner“ wird die Geschichte sehr anschaulich verarbeitet.
Für alle Interessierten, hier der Link:



Wir melden uns später wieder aus dem Regenwald… 


Montag, 12. März 2012

Salar de Uyuni

Einmal Uyuni und zurück bitte

Zugfahrt von Oruro nach Uyuni
Nach den turbulenten Tagen des Karnevals ging es für uns weiter nach Uyuni. Unser Ziel der Salar de Uyuni, die größte Salzebene der Welt.
Wir entschlossen uns eine 3-Tagestour zu unternehmen.
Zusammen mit drei Mädels aus der schönen Stadt London und einer Italienerin, die in Deutschland aufgewachsen ist, starteten wir mit ½ stündiger Verspätung (in Bolivien ja absolut normal) in den ersten Tag.
Unser Fahrer war sehr schweigsam. Erst nachdem wir ihn nach seinem Namen fragten, verriet er uns, dass er Edwin hieß.
Der 1. Stopp, eine Art Zugfriedhof, auf dem alte, ausgediente Züge ihre letzten Tage dahinrosteten, haute uns nicht wirklich vom Hocker. Der zweite Stopp war verheißungsvoller.



Ich fands gut

Edwin chauffierte uns auf den Salar de Uyuni. Aufgrund der Regenzeit kann der Salar jedoch nicht mehr als Salzebene, sondern nur als Salzsee bezeichnet werden. Unser Fahrer schien etwas Bedenken zu haben, ob er die Fahrt fortführen soll. Bei dem Anblick der Jeep Karawane, die sich auf dem Salzsee fortbewegte, wagte auch er die Fahrt ins salzige Nass. Seine Besorgnis war verständlich, schließlich weiß jeder, dass Salzwasser kein Segen für den Motor ist. Zum Glück stand das Wasser nicht hoch und so konnten wir uns mit Schrittgeschwindigkeit unseren Weg bahnen.





Die Erklärungen unseres Guides blieben weiterhin spärlich. Gut es wäre nachvollziehbar gewesen, wenn keiner von uns spanisch gesprochen hätte, dem war aber nicht so. Daniela, die Italienerin, sprach neben fließend italienisch, deutsch und englisch auch spanisch. Toni und ich verstehen mittlerweile auch etwas spanisch, weshalb es ein Leichtes gewesen wäre, alle eventuellen Erklärungen den nicht spanisch sprechenden Engländerinnen zu übersetzen. Die Schweigsamkeit Edwins verbesserte sich im Laufe der Tour leider nicht, weshalb es an Daniela und an uns hängen blieb, Fragen bezüglich der Landschaft zu stellen. Teilweise schienen seine Antworten etwas fadenscheinig.
Kurz am Rande sollte ich hier erwähnen, dass dieses Verhalten kein böser Wille ist. Fragt man Bolivianer nach dem Weg, antworten sie immer. Es ist egal, ob ihre Aussage stimmt oder ob sie keine Ahnung von dem haben, was sie sagen. Dieses Verhalten ist ihr Ausdruck von Höflichkeit. Hauptsache immer höflich Rede und Antwort stehen, das ist die Devise.
Scheinbar handhabte es Edwin genauso, was ihn zu einem lausigen Führer machte. Jedoch muss ich ihm seine Fahrkünste zugute heißen. Darin war er gut.

Zurück zum Salar. Bei unserem 3. Stopp hieß es Schuhe ausziehen und rein ins salzige Vergnügen. Der Blick zum Horizont erzeugte ein Trugbild. Himmel und Salzsee schienen eins zu werden. Es sah aus, als würden sie mithilfe eines riesigen Spiegels ineinander verschmelzen. Vor dieser eindrucksvollen Kulisse ließen wir uns unser Mittagessen schmecken. Nach diesem und unzähligen lustigen Schnappschüssen, machten wir uns auf den Weg zu unserem ersten Domizil.






Der Salar de Uyuni 
Am zweiten Tag wurden wir um 6 Uhr in der Früh von dem nervigen Geräusch geweckt, dass der Anlasser eines Autos macht, wenn es nicht anspringen will. Immer und immer wieder drehte der Fahrer den Zündschlüssel um, in der Hoffnung, dass der Jeep endlich anspringen würde. Der Fahrer schien mit solcher Gewalt das Auto zum Anspringen zwingen zu wollen, dass wir förmlich die Stille herbeisehnten, die ein Auto von sich gibt, wenn es vollkommen den Geist aufgegeben hat. Doch das Auto und der Fahrer kämpften erfolglos weiter. Der kurze Blick aus dem Fenster verschaffte uns Erleichterung. Es war nicht Edwins Jeep, der nicht anspringen wollte. Edwin war schon auf den Beinen. Tatkräftig stand er seinem Fahrerkumpel zur Seite und half ihm bei der Lösung des Problems. Leider war auch nach 3 h noch keine Lösung gefunden. Edwin meinte später, dass wahrscheinlich der Anlasser kaputt war.
Für unsere Gruppe ging mit einer ½ stündiger Verspätung weiter in einen Nationalpark. Hier sahen wir mehrere Lagunen, in denen sich zahlreiche Flamingos aufhielten.
Die Landschaft erinnerte sehr, an die der Atacamawüste, was nicht verwundert. Die Wüstenregion in Bolivien geht auf der chilenischen Seite über in die Atacamawüste.
Sehr eindrücklich war die Laguna Colorado, die wir von Weitem rot schimmernd sahen. Je näher wir kamen, desto mehr sah es aus, als hätte man Unmengen von Blut in das Wasser gekippt. Erzeugt wird diese Farbe durch Mikroorganismen, die sich im Wasser befinden. Die zahlreichen schneebedeckten Vulkane rund um die Lagune bereicherten den Panoramaanblick. Viele dieser sind noch aktiv, weshalb auch die Geysire, die wir am 3. Tag besichtigten, voller tosender, speiender und dampfender Aktivität sind. Mehr dazu aber später.
Auf anderen Lagunen schwamm eine milchige Flüssigkeit. Auf unsere Nachfragen erklärte uns Edwin, dass diese Mineral Borax heißt. Es wäre eine Substanz, aus der man Plastik gewinnen würde.
Dieser Naturschutzpark strotzte nur vor ungestümer, gegensätzlicher Landschaft. Am Horizont thronten die schneebedeckten Vulkane und direkt vor uns erstreckte sich die Laguna Colorado. Diese Kulisse erinnerte mich sehr an Schottland. Fast erwartete ich, dass aus der Lagune ein Kopf eines Uhrzeitsauriers auftauchte.
Die traurige Wirklichkeit ist jedoch, dass man sich wahrscheinlich nur für eine begrenzte Zeit an diesen Naturwundern erfreuen kann. Die Bolivianer geben weniger auf ihre Nationalparks Acht als es die Argentinier oder Chilenen tun. Zwar liegen hier keine Müllberge, wie wir es oft in der Landschaft außerhalb der Städte sahen. Für den Schutz der Tiere werden die Touristen von den Guides jedoch nicht sensibilisiert. In Chile wurde uns gesagt, dass wir nicht zu nah an die Lagunen heran laufen sollen. Es würde die Flamingos verschrecken, was zur Folge habe, dass sie wegfliegen und ihre Eier am Rande der Lagune zurücklassen würden. Für Raubvögel ist das ein gefundenes Fressen.
Als wir Edwin fragten, warum keiner der Guides seine jeweiligen Gruppen darüber informierte, sagte er nur: „ Das ist hier gar kein Problem. Die Touristen können an die Ufer nah heran, denn die Flamingos hier legen ihre Eier an das Ufer einer anderen Lagune. Zu dieser Lagune dürfen keine Touristen.“
Unsere Meinung wieder so eine halbherzige Erklärung.










Laguna Blanca


Laguna Colorado

Der dritte und letzte Tag unserer dennoch sehr schönen Tour begann früh um 5 am Morgen.
Bevor wir uns auf den Weg zu den Geysiren machten, betrachteten wir kurz den weitläufigen Sternenhimmel. Hier „In the middle of nowhere“ sahen wir fast so viele Sterne, wie in San Pedro de Atacama.
In 5.000 m Höhe eröffnete sich unser Blick auf ein Geysirfeld. Von Weitem sahen wir die rauchenden Löcher. Wütend wie ein Drache, der aus seinen Nasenlöchern Rauch hinausbläst, speiten die Geysire Wasserdampf aus. Überall blubberte es. Das Gemisch aus Schlamm und Wasser versuchte sich an die Erdoberfläche zu kämpfen. Der Ausstoß von Schwefel erzeugte den Geruch von faulen Eiern. Beelzebub würde sich hier sicherlich sehr wohl fühlen. Nach dieser bizarr unterirdischen Erfahrung fuhren wir in den ganz irdischen Sonnenuntergang. Um 7.30 Uhr genehmigten wir uns ein wohltuendes Bad in einer heißen Quelle. Die Außentemperatur betrug ca. 10°C. Kein Wunder, dass es etwas Überwindung kostet, sich unserer warmen Sachen zu entledigen und nur mit den Badesachen bei diesen nicht sommerlichen Temperaturen umher zu laufen. Da half nur schnell in die 40 C warme Quelle und die schöne Aussicht genießen.
Im Anschluss an diese körperliche Entspannung endete unser Tour mit Besichtigung einer grünen Lagune und eines kleinen Dorfes.
Nach der Verabschiedung von unseren restlichen Gruppenmitgliedern ging es für Toni und mich weiter nach Tupiza.






Geysire


Thermalquellen


Wüste Salvador Dali

Montag, 5. März 2012

Karneval in Oruro 2012

Karneval in Oruro


Das größte alljährliche Fest, bei dem die Menschen die Arbeit hinter sich lassen und über Tage hinweg ausgelassen feiern, ist der Karneval. Aus allen Richtungen des Landes pilgern die Menschen in das Zentrum des spaßigen Treibens, um mit ihren Gleichgesinnten zu tanzen und feiern. Willkommen in Oruro.

Um dem „allgemeinen“ Deutschen gerecht zu werden, versuchten wir natürlich unsere Plätze so früh wie möglich zu reservieren. Leider haben wir dabei einen nicht wesentlich geringen Faktor außer Acht gelassen. Der „allgemeine“ Bolivianer kennt die deutsche Präzision und Vorsorgetaktik nicht.         
Der Versuch, 8 Tage vor dem Karnevalsumzug, Karten für die mehrere Kilometer lange Tribüne auf der Straße des 6ten August zu bekommen, war also von Beginn an zum Scheitern verurteilt. Ein klares Indiz dafür war, die nicht fertiggestellte Tribüne, die nur in ihren Grundzügen zu erkennen war. So mussten wir uns mit den Aussagen zufrieden geben, dass wir doch die Karten einen Tag vor dem Umzug kaufen sollten. Es wäre dann immer noch ausreichend Zeit.

Erfolgreicher verlief der Versuch, ein Domizil für die 3 Tage des Karnevals zu finden. Für den lächerlich geringen Preis von 200 US$, für ein schmales Bett in einem kleinen Zimmer, hatten wir Gewissheit, dass wir eine Unterkunft in 8 Tagen haben werden. Der Preis für das gleiche Bett im selben Zimmer für die restliche Zeit des Jahres beträgt 10 US$ (ebenfalls für 3 Nächte).   
Da wie auch allgemein so gültig in Oruro Angebot und Nachfrage den Preis bestimmen, liegt die Entscheidung bei jedem selbst. So entschlossen wir uns diesen horrenden Preis zu bezahlen. Verglichen mit den anderen Preisen, konnten wir noch zufrieden sein. Wir hätten auch die Möglichkeit gehabt, mehr als 500 US$ für ein Bett zu bezahlen.
Nachdem wir alles in Oruro mehr oder weniger erledigen konnten, beschlossen wir die restlichen Tage vor dem Karneval an einem anderen Ort zu verbringen. Oruro hat außer dem Karneval nicht viel zu bieten.

Die nächsten acht Tage nutzten wir, um die Region um Cochabamba zu erkunden, mehrere Ärzte zu konsultieren, die höchste Christusstatur der Welt und das Haus des einstmals reichsten Mannes (Simon Patiño) Boliviens zu besichtigen.

Mit voller Vorfreude auf das anstehende Fest reisten wir nach Oruro zurück. Die Busfahrt erwies sich, wie so oft, als Qual. Es ist wahrhaft kein angenehmes Gefühl, wenn eine vollgeschissene Windel neben dir gewechselt wird. Wenigstens oder leider, kommt darauf an ob man es aus meiner oder aus Sicht der Natur betrachtet, wurde die prallgefüllte Windel direkt aus dem Fenster des fahrenden Busses befördert.

Die Arbeiten in Oruro waren in den vergangen Tagen weit fortgeschritten. Die Tribüne war bis auf wenige Stellen fertig, die Werbebanner erstrahlten in neuem Glanz und die Sicherheitszäune waren aufgestellt.

Unsere Suche nach einem guten Platz auf der Straße des 6ten August wurde schnell mit Erfolg gekrönt. Wir konnten 2 Plätze für 600 Bolivianos (ca. 60 €) kaufen. Dafür hatten wir die Zusage, dass wir die Plätze für Samstag und Sonntag bekommen würden.
Der Festumzug begann am Freitag, den 17.02. um 08:00 Uhr. Die Tribüne war noch sehr spärlich gefüllt. Die meisten Besucher trudelten erst gegen die Mittagszeit ein.
Der Umzug dauert den ganzen Tag bis weit in die Nacht hinein an.
Gegen 12:30 verließen wir unsere Plätze um etwas zu essen und um uns ein paar Dosen Sprühschnee und Bier zu kaufen. Die zahlreichen Attacken, die wir erleiden mussten, konnten wir nicht auf uns sitzen lassen. Das Bier wurde ausschließlich gekauft, um die Hemmschwelle soweit zu senken, damit auch die jüngsten Gegner gnadenlos bekämpft werden konnten.
Eine Amerikanerin sagte zu mir: „ Es macht einfach mehr Spaß die Leute voll zu sprühen“. Und sie sollte damit vollkommen Recht behalten. Unsere anfänglichen Vorsätze uns nur zu verteidigen, ließen wir so schnell fallen, wie ein leidenschaftliches, junges Paar die Kleidung vor dem ersten Sex.         

Unzählige Dosen Sprühschaum und Bier später verfolgten wir nach wie vor den Marathon gespannt. Bis um 05:00 Uhr sollten neue Gruppen die Parademeile entlang laufen. Um 01:00 Uhr hatten wir genug vom beobachten.
Mit Regenkleidung (guter Schutz gegen den Schaum) und ein paar Dosen Bier wurden wir Teil des Umzugs. Wir durchbrachen mit einigen anderen Leuten aus unserem Hostel die Absperrung und schlossen uns dem Umzug an.
Im Einklang mit riesigen Tanzgruppen, feierten wir unseren Weg bis zum Plaza (Hauptplatz). Den unzähligen ,,Beso“- Schildern(Küss-Mich), die wir passierten, leisteten wir natürlich folge.
Nach eineinhalb Stunden des Tanzens und des begleiten des Umzugs entschlossen wir uns den Heimweg anzutreten. Gegen 03:00 erreichten wir unser 200 US§ Bett.

Den folgenden Tag schliefen wir etwas länger. Wir entschlossen uns einfach etwas später zum zweiten Teil des Umzugs zu gehen...





























Sarah - Opfer des allgegenwärtigen Sprühschaums








Donnerstag, 16. Februar 2012

Nach Arica ging unsere Reise weiter nach Bolivien. La Paz, die Hauptstadt, wurde unser erstes bolivianisches Ziel. Der Weg in die Stadt La Paz führte über El Alto, einen Stadtteil der 400 Meter höher liegt als das eigentliche La PAz. Als wir in das auf einer Ebene liegende El Alto fuhren, dachten wir schon, dass wir in La Paz sind, doch wir wurden eines besseren belehrt.         


Während wir durch El Alto (Der Große) fuhren, erstreckte sich rechts zu unseren Füßen ein Lichtermeer. La Paz liegt unterhalb El Altos. Die Stadt ist riesig. Die Häuser sind überall. Dabei spielt es keine Rolle wie unwegsam das Terrain auch ist. Gebaut wird überall. Und Putz ist Mangelware.

Der nächtliche Anblick war sehr beeindruckend. Das Tal und die Hänge strahlten von den Lichtern der Häuser. Zwischen diesem Lichtermeer waren immer wieder schwarze Flecken. Wir wunderten uns schon, warum hier nicht auch Häuser hin gebaut wurden. Am Tag erhielten wir eine Antwort darauf. Diese dunklen Stellen waren schlicht und einfach massive Felsvorsprünge des Gebirges, die von den Menschen noch nicht weggesprengt und bebaut, sondern naturbelassen wurden.
Lap Paz von Mirrador Killi Killi

Während unserer Taxifahrt zu unserem Hostel bemerkten wir, dass es ständig Berg auf und Berg ab ging. Wir ahnten, dass es uns etwas Anstrengung kosten würde, die Stadt zu Fuß zu erkunden. Schließlich sind 3.660 m Höhe auch kein Pappenstiel. Nichts desto trotz machten wir uns am nächsten Tag auf ins Abenteuer. Die ersten Tage waren wirklich anstrengend. Nach jedem Hügel fühlten wir uns, als hätten wir einen Halbmarathon bestritten. Nach und nach pfeiften unsere Lungen jedoch nicht mehr so nach Luft. Man muss sich eben erst an diese hohen Gefilde gewöhnen.
La Paz mit dem Berg Illimani von El Alto fotografiert
In La Paz spürten Toni und ich zum ersten Mal, dass wir wirklich in einer anderen Welt waren. Die Städte in Argentinien und Chile waren europäische angehaucht, aber La Paz war etwas vollkommen anderes.
Das Leben hier spielt sich meist auf der Straße ab. Große Shoppingcenter, wie in Deutschland gibt es selten. Die Cholita Frauen in ihren typischen Trachten (mehrlagige Röcke, lange geflochtene Zöpfe und ein Hut, der scheinbar am Kopf festgeklebt ist) sitzen auf der Straße und verkaufen Obst, Gemüse, Gewürze, Hygieneartikel und vieles mehr. Jede Straße ist quasi eine eigene Fachabteilung. In einer Ecke gibt es nur Fliesen, in der nächsten nur Elektroutensilien und der nächsten Straße gibt es Fleisch. Manchmal musste Toni und ich auch schnell die Straßenseite wechseln, da uns der Gestank nach abgehangenen Fleisch schier umgehauen hat. Man braucht schon einen festen Magen, wenn man durch die Straßen von La Paz schlendert, denn man weiß nie, was sich hinter der nächsten Ecke verbergen könnte.
Ein Stand auf einem Markt
Bolivien gilt als ärmstes Land Südamerikas, was wir oft auf der Straße sahen. Ich hätte am liebsten jedem der zahlreichen Bettler Geld gegeben. Vor allem, wenn neben der Frau eine Decke auf dem Gehweg lag, in der ein oder zwei kleine Kinder schliefen. Toni hat mich da aber ein bisschen gebremst, was auch gut so war. Die andere Schattenseite dieser Armut ist, dass auf den großen Märkten Tiere verkauft werden, die in furchtbaren Zuständen gehalten werden. Das schlimmste war ein Käfig mit kleinen Hundebabys, der so überfüllt war, dass sich die einzelnen Hunde nicht mehr bewegen konnten. Greenpeace würde auf die Barrikaden gehen, aber wen kümmert das Leid der Tiere, wenn die Verkäufer selbst am Hungertuch nagen müssen. Dagegen leben wir Deutschen wie im Schlaraffenland.
Ein Grab in La Paz
Positiv muss jedoch betrachtet werden, dass das Essen in La Paz und, wie wir später feststellten auch in anderen Städten Boliviens, spott billig ist. Voraussetzung ist, dass man nicht in ein schickes touristisches Lokal, sondern dort hing geht, wo auch die Einheimischen essen. Da Tonis Magen und meiner sehr robust sind und wir gerne die lokalen Sachen probieren, taten wir das auch. Das billigste Essen bekommt man in kleinen Lokals, die gute Hausmannskost anbieten. Für eine ordentliche Suppe, die fast schon einem Eintopf gleicht, einem Hauptgericht einem Nachtisch und einem Getränk zahlt man z.B. ungerechnet nicht mal 1,50€. Da macht das Essengehen richtig Spaß.

Ein Highlight in La Paz war das Fahren der Death Road. Dieses Straße wird als Gefährlichste Straße der Welt bezeichnet. Grund hierfür ist, dass in der Vergangenheit auf dieser 3,2 m breiten Straße, bei der man 3.600 Höhenmeter überwindet viele Busse und Lkw´s in den bis zu 1.000 m tiefen Abgrund gestürzt sind. Auf Grund dessen wurde 2007 eine neue Straße gebaut, auf der nun die meisten Fahrzeuge langfahren. Bei unserer Tour starteten wir auf 4.800 m Höhe und fuhren mit dem Mountainbike 85 km runter ins Tal.
Die Straße führt von La Paz nach Coroico. Nachdem wir den Bus verlassen haben, nahmen wir gleich unsere Downhillbikes unter die Lupe. Die Ausrüstung war top.
Helm, Handschuhe, Regenbekleidung und natürlich ein Rad.
Die ersten Kilometer sind asphaltiert. So hatten wir Zeit uns an die Räder zu gewöhnen. Trotzdem geht es steil Berg ab. Nach 24 Kilometern kommt man auf die ,,eigentliche,, Straße des Todes. Uhhh ein gruseliger Name. Aber berechtigt.
Das Vergnügen sich als erster Tourist ein Kreuz am Rand setzten zu lassen, hatte eine jüdische Frau. Sie war auf einmal einfach weg. Keine Bremsspuren, nix.
Die Straße ist sehr schmal und unbefestigt. Daher war beim bremsen Vorsicht geboten. Zumal unsere Scheibenbremsen keinen Fehler verziehen hätten. Den ersten Kilometer auf der Schotterstraße wurden vorsichtig. Aber das macht ja auf Dauer keinen Spass. Also Bremse lösen und einfach rollen lassen. Und so ging das dann die nächsten 64 Kilometer.
Unterweg haben wir zahlreiche Stops gemacht um den nächsten Teil der Straße und mögliche Gefahren zu besprechen. Hunde, scharfe Kurven. Autos!
Nach 2.30 Stunden waren wir am Ziel. Einem kleinem Auffangort für Tiere. Bis auf 2 Mann sind alle gesund angekommen.
Nach einer nötigen Dusche und einem oder vielleicht auch zwei erfrischenden Bieren ging es dann zurück in den Bus.
Dann sind wir die Death Road nochmal gefahren. Diesmal aber nach oben.
Und um ehrlich zu sein. Der Blick auf 20 cm Randstreifen und danach 1.000 m Tiefe ist echt nicht angenehm. Daher gabs noch ein drittes Bier im Bus und ein Stoßgebet.