Unsere Reiseroute

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Sonntag, 22. April 2012

Macchu Pichu

EXTRABLATT EXTRABLATT


Frau Sarah Kummer und Herr Toni Weiß überlebten den legendären Inkatrail!

Auf den folgenden Seiten erzählt Toni Weiß seine Erlebnisse, Ängste und Eindrücke des berühmtesten Wanderwegs in Südamerika.

Vorgeschichte

Der Tag, an dem wir uns auf unser großes Abenteuer machen wollen, näherte sich unaufhaltsam. Nur noch eine Woche sollte uns zum Vorbereiten bleiben.

Unzählige Mal trafen wir andere Reisende, die uns voller Freude von ihren Erfahrungen berichteten.

„Es war atemberaubend schön“, sagte der Eine.

„Der zweite Tag war die Hölle“, meinte eine Andere.

Doch den Spruch den sich Sarah und ich am meisten anhören durften war:

„Wenn ich das geschafft habe, dann schafft ihr das allemal. Ich bin der unfitteste Mensch auf der Welt.“

Jaja, das haben wir schon so oft gehört! Aber zwei Sätze später sagt er, dass er einen Marathon gelaufen ist.

Sarahs Aufregung stieg von Tag zu Tag mehr an. Ich durfte mir von ihr Sätze wie:

„Wie soll ich denn 1.200 Höhenmeter in 4 Stunden hochlaufen. Das schaff ich ja nie!“ oder „Dann mach ich eben langsamer. Dann müssen die auf mich warten!“ anhören.
Durch die zahlreichen negativen Kommentare ihrerseits sank natürlich auch meine Vorfreude auf den Track. Aber in einem klärenden Gespräch konnte ich sie dann endlich davon überzeugen, dass es nicht so schlimm werden wird.

Als wir dann am 26.03., vier Tage vor dem Start des Inkatrail, in Cuzco anreisten, begann das Drama erneut. Nur diesmal von meiner Seite.

Plaza de Armas in Cuzco

Ich war krank! Ich hatte mich auf der 2-stündigen Schiffsfahrt von der Isla del Sol nach Copacabana (Titicacasee) erkältet.

Sarah war der Meinung, dass ich mir nur einen Zug geholt hätte. Aber mein Körper suggerierte mir etwas anderes. Schnupfen und eine bis ins äußere verstopfte Nase. Der Kamillentee war die nächsten 3 Tage mein ständiger Begleiter. Lange Zeit verbrachte ich hoffend im Bett, mit dem Wunsch der baldigen Besserung, der natürlich nicht in Erfüllung gehen sollte. Nur gelegentlich verließ ich mein schützendes Bett. Doch bevor wir uns auf die Reise machen konnten, mussten wir zuerst noch in das Büro unseres Veranstalters Perutreks. Am 28.03. setzten wir uns mit zwei Händen voller Geld in Bewegung. Natürlich waren wir gern gesehene Gäste im Büro. Warum auch nicht, wenn man kommt um eine riesige ausstehende Rechnung zu begleichen.
Die anschließende Besprechung verfolgten wir, bei dem im Preis mitinbegriffenen, schlechten löslichen Kaffee, gespannt. Uns wurde erzählt, dass wir überhaupt keine Probleme haben werden, da wir ja uns schon lange auf dieser Höhe (3.400 m) aufhalten und das wir uns in den nächsten Tagen viel bewegen sollen.
Der Bursche hatte nur nicht in Betracht gezogen, dass meine Nase einen täglichen Taschentuchverbrauch von mehr als 3 Packungen hatte und das Cuzco in den Bergen liegt. Nix da mit Bewegung, ab ins Bett!.

Die generellen Informationen, die uns gegeben wurden, beinhalteten einen groben Ablauf der einzelnen vier Tage.

1. Tag: (leichte 15 Kilometer )
·         Abholung zwischen 5:20 – 6:00 Uhr
·         Vier Stunden Transport mit Bus und Bahn
·         Frühstück
·         Wandern
·         Mittagessen
·         Wandern
·         Abendessen

2. Tag: (anstrengende 9 Kilometer)
·         Frühstück
·         Wandern (3 Stunden bergauf = 900 Höhenmeter)
·         Mittagessen
·         Wandern (90 Min bergauf = 300 HM und 90 Min. bergab = 700 HM)
·         Abendessen

3. Tag: ( mittelmäßige 15 Kilometer)
·         Frühstück
·         Wandern (300 Meter bergauf und 1.200 Meter bergab)
·         Mittagessen
·         Wandern (300 Meter bergab)
·         Abendessen

4. Tag: (unvergessliche 6 Kilometer)
·         Aufstehen um 3:30 Uhr
·         Warten bis 5:30
·         55 Minuten Gewaltmarsch nach Macchu Picchu.

Nachdem wir das Büro verlassen haben, war vor allem Sarah erleichtert. Den Tag verbrachten wir noch damit die restlichen Sachen, wie Schokoriegel, Batterien, Regenponcho und Cocablätter für den Trip einzukaufen, Kamillentee zu trinken und im Bett rumzuliegen.

Zu unser freudigen Überraschung war der 29.03 in unserem Hostel ein besonderer Tag. Es war Pisco-Sour-Nacht! Pisco-Sour ist das alkoholische Nationalgetränk von Peru.
Da sich unsere beiden Hostelbesitzer in einem Duell messen wollten, wer von ihnen den besten Pisco-Sour macht, mussten wir einige Proberunden über uns ergehen lassen. Gegen 0:00 Uhr sind wir dann freudestrahlend ins Bett gegangen um die verbleibenden 4 Stunden zu schlafen.

1. Tag.

Am 30. wurden wir um 5:20 Uhr vor unserem Hotel abgeholt. Das Frühstück fiel um diese Uhrzeit natürlich aus. Mit leerem Magen fuhren wir durch Cuzco um die anderen 14 Gruppenmitglieder einzusammeln. Jeder Neuankömmling wurde von uns mit einem gezwungenen, müden „Hola, buenas Dias“ begrüßt.
Zudem musterten wir alle Einsteigenden gleich gründlich, um mögliche Schwachstellen zu finden. Denn wir wollten alles sein, nur nicht die Langsamsten in der Gruppe.
Zu unserem Bedauern sahen die anderen alle fit aus. Keine dicken Bierbäuche, keine alten Knacker, alles nur vor Energie strotzende, junge, agile Menschen.

VERDAMMT!

Nach der 2-stündigen Busfahrt von Cuzco nach Ollantaytambo lernten wir uns alle beim Frühstück ein bisschen besser kennen. Vielen von ihnen wurde die gleiche Horrorgeschichte über den Tag 2 erzählt.
Wir waren ein bunt gemischter Nationenhaufen. USA, Chile, Norwegen, Australien, Italien, Holland und Deutschland. Aber unsere 4-tägige Patch-Work-Familie verstand sich von Anfang an gut.


Nach unserem Frühstück begann dann endlich das große Abenteuer. Nach einem Gruppenbild unter dem Schild, das beweist, dass wir wirklich den Inkatrail gewandert sind, sind wir den Inkatrail gewandert. Und nach fünf Minuten Sonnenschein wurde es schon Zeit für den frisch gekauften Regenponcho. Die Stimmung in der Gruppe und bei mir sank unwesentlich, da die noch anhaltende Euphorie über die Tatsache, was wir gerade machen noch zu groß war.

Beginn des Inkatrails

1.Tag Umgebung


Nach ein paar verregneten einfachen Kilometern machten wir uns auf unsere erste Mahlzeit bereit. Unsere Träger, die definitiv von einem anderen Planeten stammen müssen, haben in der Zeit, in der wir gelaufen sind, bereits ein schützendes Zelt aufgebaut und das Essen gekocht.
Nachdem wir das 3 Gänge genüsslich in uns reingearbeitet haben ging der kleine Frühlingssparziergang im Regen weiter. Ein paar Stunden später waren wir in unserem Camp und haben uns auf unsere Zelte und ein weiteres warmes Essen gefreut.
Wieder einmal waren unsere Träger (die Juskys) schneller als wir. Sie machen alles für dich! Sie bauen dein Zelt auf, kochen das Essen für dich, stellen dir eine Schüssel mit warmen Wasser hin, usw. Einfach unglaublich!

Nach einer unruhigen Nacht im Zelt, in der es natürlich regnete, machten wir uns Frühs bereit für den 2. Tag. 

2. Tag

Gestärkt durch ein reichliches Frühstück, mehreren Kaffees und einen Mund voller Cocablätter, fühlte ich mich bereit diesen Berg (Dead Woman Pass – Tote Frauen Pass) zu überwinden. Von 3.000 m.ü.NN sollte es auf über 4.200 m.ü.NN gehen.
Die ersten 90 Minuten sind wir fast alle noch zusammengelaufen. Ich war mithilfe der Cocablätter und einem starken Willen direkt auf den Fersen unseres Guides David. Er spazierte in seinen vom Regen durchgeweichten Turnschuhen einfach den Berg hoch, unterhielt sich mit mir und war gelangweilt vom langsamen Touristentempo. Ich hingegen war mit einem Puls von gefühlten 140 Schlägen pro Minute hinter ihm, schniefend und tief atmend hinter ihm. Die Anderen folgen auch in kurzen Abständen, nur Sarah nicht. Sie hing gut ein bis zwei Stunden hinter der Gruppe. Sie hatte große Probleme mit ihren Knien und die Schmerzen verhinderten ein schnelleres Eintreffen. Aber wir reden hier nicht über meine Sarah. Sie war direkt hinter mir. Die Sarah, die ich meine ist eine der Australierinnen.
Nachdem wir dann circa 20 Minuten im Regen standen und auf die anderen Personen warteten, wurde einigen Anderen und mir auch kalt. David sagte, dass wir weiter laufen könnten. Wir sollten weitere 90 Minuten den Berg hochlaufen und dann könnten wir im Lager warten.
Sarah, ich und die 2 Norweger machten uns auf den Weg.
Mir war extrem kalt, weswegen ich ein etwas höheres Tempo anschlug. Nach 10 Minuten musste ich dann meinen Weg alleine fortsetzen, denn die anderen waren mir zu langsam und frieren wollte ich nicht.
Nach 60 Minuten habe ich das Lager erreicht. Zu meiner Überraschung hat der Regen ausgesetzt. Leider war zu diesem Zeitpunkt das Lager noch nicht aufgebaut. Die Juskys waren auch erst vor ein paar Minuten angekommen.
Meine angebotene Hilfe zum Zeltaufbau lehnten sie ab, aber meine Karamellbonbons nahmen sie gerne an.
Nach 30 Minuten trafen Sarah und die beiden Norweger ein. Sichtlich erleichtert erfreuten sie sich der wohlverdienten Rast.
Die restlichen Gruppenmitglieder liefen alle nacheinander etwas später ein. Alle mit einem Lächeln auf dem Gesicht.
Nach dem Mittag machten wir uns dann auf den Weg die restlichen 300 Meter zu besteigen. Am Horizont sah man ganz klein die Menschen, die schon oben waren. 

Der letzte Anstieg am 2. Tag. Blau bepackt sind die Juskys. Ziel: Der Pass oben in der Mitte


Rückseite des Dead Womans Pass. Kurz vor dem Lager

Mithilfe der Cocablätter setzte ich meinen Weg fort. Als ich dann noch ein paar Juskys fand, die auf ihrem Handy Musik laufen hatten, versuchte ich nochmals das Tempo zu erhöhen. Vergeblich. Selbst mit ihrer zusätzlichen Last von 25 Kg und in ihren Sandalen laufen sie noch an einem seelenruhig vorbei.       
Als ich den Pass erreichte, pfiff mir der Wind ins Gesicht. Die Luft war kalt und alles war nass. Der Regen war auch hier oben ein ständiger Begleiter. Nach wenigen Minuten machte ich mich mit Sarah und ein paar anderen Gruppenmitgliedern auf zum Abstieg.
Das Wetter wurde nun sichtlich besser. Als wir nach 2 Stunden unser Lager erreicht hatten schien die Sonne. Schnell haben wir alle Klamotten zum trocknen über die Zelte gehangen, die Ärmel hochgekrempelt um nahtlos braun zu werden und die schöne Aussicht genossen.
Nach einer Stunde war das schöne Wetter schon wieder vorbei und der Regen hatte uns erneut eingeholt.
Das 3 Gänge Abendessen haben wir uns wieder schmecken lassen.

3. Tag


Wieder einmal gab es ein ausgezeichnetes Frühstück.     
Da nun jeder, bis auf mich, davon überzeugt war, dass der schwerste Tag hinter ihnen liegt, war die Stimmung prächtig. Das Wetter nicht. Der Regen stellte sich passend zum Losmarschieren wieder ein.
Zu allem Überfluss stellte noch meine Kamera ihren Dienst ein. 3 Tage Regen und die hohe Luftfeuchtigkeit waren auch ihr zu viel.

VERDAMMT!

Der erste Anstieg war noch steiler als der gesamte Pass dem Tag zuvor. (Der Kritiker war zufrieden und der Rest war still)
Das Frühstück wurde verschoben. Wir mussten uns es erst verdienen.

Oben angekommen schüttete es unaufhörlich. Mein Regenponcho leistete Höchstleitungen. Er hielt den kompletten Regen ab, aber er ließ auch keinen Tropfen Schweiß nach außen. Kurz gesagt: Nass und nutzlos!

Die Kälte und der Wind waren beinahe unerträglich. Ich konnte meine Fingerspitzen nicht mehr fühlen. Die einzigen trockenen Teile meines Körpers waren meine Unterhose und meine Füße.
Glücklich über den Kauf meiner überteuerten Wanderschuhe setzte ich meinen Weg fort.
Nach ein paar Stunden erreichten wir unseren Frühstücksplatz. Passend setzte die Sonne ein. Meine und eine weitere Kamera wurden prompt in die Sonne gelegt und das Beten begann. Was könnte es Schlimmeres geben als Macchu Picchu ohne Bilder.
Nach einer Stunde in der prallen Sonne tat sich leider nichts. Aber die zweite Stunde versprach Besserung.

JAWOLL! BILDER!

Freude Freude


Dieses kleine Erfolgserlebnis half mir auch darüber hinweg, dass meine Wanderschuhe völlig durchnässt waren. 3 Tage Regen zeigten schließlich ihre Wirkung. Klassischer Fall von zu früh gefreut.


Aussicht am 3. Tag

Ein Brunnen, der ewige Jungend verspricht. KALT!!!

Aussicht am 3.Tag


Am Abend kamen wir dann in unserem letzten Lager an. Hier hatten wir auch das erste Mal die Gelegenheit zu duschen. Eiskaltes Wasser, in einer Dusche, die ein hygienisches Niveau von einer Toilette eines Festivals am 3 Tag hat, war einfach nicht mein Fall. Ich entschied mich für mein Deo.

Zum feierlichen Abschluss gab es zum Abendessen neben Pizza auch noch einen Kuchen!
Ich frag mich bis heute, wie man inmitten der Wildnis eine Pizza und einen Kuchen machen kann. Hier gibt’s keinen Strom und keine Küche!
Diese Juskys sind einfach nicht von diesem Planeten.
(Kurze Nebeninfo: Jusky bedeutet in der Quechua-Sprache Träger. Sie bevorzugen es Juskys genannt zu werden, da die Bezeichnung Träger oder engl. Porter abwertend ist. Sie tragen p.P. 25 Kg, z. B. Zelte, Gasflaschen, Nahrung, Wasser usw. Bis 70!! gelten sie als jung und laufen den Inkatrail. Danach erst gelten sie als alt. Der Rekord für die ca. 50 Kilometer Inkatrail, den ein Tourist in 4 Tagen läuft, liegt bei 3 Stunden und 40 Minuten!!!)
Nachdem wir uns von allen Juskys verabschiedet haben sind wir anschließend zeitig ins Bett gegangen, denn die Nacht sollte kurz werden.

4. Tag


Am letzten Tag wurde unsere Nacht so zeitig beendet damit wir als erste der 28 Gruppen am Parkeingang sein konnten. Das waren wir dann um 4:00 Uhr auch. Die restliche Zeit verbrachten wir mit warten.

Pünktlich um 5:30 Uhr öffneten die Tore und das große Rennen begann. Die nächste Stunde sollte die anstrengendste überhaupt werden. Inka-flach war Davids Lieblingsbegriff und so sollten die nächsten Kilometer werden. Inka-flach (Incaflat) bedeutet hoch und runter, aber am Ende bis du auf der gleichen Höhe, auf der du angefangen hast.

Nach 50 Minuten Sprint erreichten wir unser letztes Hindernis vor Macchu Picchu. Eine 10 Meter hohe Spalierwand in Form von den steilsten Treppen überhaupt.
Gerade Mal so breit, dass ich einen halben Fuß darauf abstellen konnte, mussten wir uns gefolgt von den anderen Gruppen diesen Hügel hochkämpfen.

Belohnt wurden wir mit einer spektakulären Aussicht vom Sonnentor (Sungate).

NEBEL!

Wir sahen nichts. Nach 10 Metern war Schluss. Die Stimmung war am Boden. Jeder in der Gruppe war enttäuscht. David sagte wieder einmal „Imaging the view – stellt euch die Aussicht vor“.

Einen Schei#+....!!!

Wir wollten Macchu Picchu sehen, konnten wir aber nicht.
Nach einer halben Stunde des Hoffens machten wir uns auf den Weg vom Sonnentor hinunter zur eigentlichen Stadt. Zu allem Überfluss funktionierte meine Kamera wieder nicht richtig. Dieses Mal wollte sie nicht ausgehen. Wenigstens konnte ich Bilder machen.

Aussicht vom Sonnentor (Sungate)

Besserung war in Sicht …

Gegen 10 Uhr kämpfte sich die Sonne schließlich durch und wir hatten alle endlich das, was wir wollten. Einen klaren Blick auf Macchu Picchu.
Sarah und ich hatten zudem das Glück noch Huayna Picchu zu besteigen. Das ist der Berg, den jeder ohne das er weis wie er heißt. Der Berg ist auf jedem Postkartenfoto von Macchu Picchu im Hintergrund zu sehen.



Endlich - Macchu Piccu


Ein Postkartenfoto...



Belohnt für die Strapazen

Aussicht von Huayna Piccu auf Macchu Piccu

Wir bekamen die Tickets von zwei Amerikanern unserer Gruppe, die sich den 300 Meter Aufstieg nicht mehr antun wollen kostenlos. Danke an dieser Stelle.
Der Aufstieg forderte das letzte bisschen Kraft von uns. Jedoch wurden wir mit einem Blick belohnt, den nur ein Bruchteil der unzähligen Touristen zu sehen bekommt.
Und die unzähligen Touristen sind nicht ohne Grund da. Macchu Picchu ist eine atemberaubende Stätte. Die Größe, die Lage und die ungeahnte Schönheit versetzen dich in ungeahntes Staunen.
Und der Fakt das Macchu Picchu nur zu 40 Prozent fertiggestellt ist tut dem ganzen keinen Abbruch.

Wenn du es nicht weißt, würde es dir gar nicht auffallen.

Mein Tipp für jeden: Macht euch so schnell wie möglich auf nach Peru und schaut euch Macchu Picchu an, solange noch die Möglichkeit besteht. Ihr werdet es niemals bereuen…

(Da wir es in der letzten Zeit niht geschafft haben fleißig zu sein, kommt Morgen gleich noch ein Post. Also freut euch)

Freitag, 30. März 2012

Nationalpark Madidi

Nach dieser höllischen Erfahrung führte unsere Reise weiter in die weiße Hauptstadt Boliviens, Sucre. Fast alle Häuser innerhalb des Stadtzentrums sind im Kolonialstil und weiß. 

Sucre, die Hauptstadt Boliviens
Von Sucre wollten wir einen Bus nach Santa Cruz nehmen, doch durch dieses Vorhaben machten uns die Bolivianer zunichte. Kurz außerhalb der Stadt gab es eine Straßenblockade, weshalb die Busse nicht mehr weiterfahren konnten. Wie lange diese Blockade dauern sollte, konnte uns keiner wirklich sagen, vielleicht nur einen Tag, vielleicht auch eine Woche.
Da wir nicht so lange in Sucre feststecken wollten und schon einen Flug von Santa Cruz zurück nach La Paz gebucht hatten, entschieden wir uns kurzerhand von Sucre nach Santa Cruz zu fliegen. Schnell war ein Flug gefunden und noch schneller mussten wir zurück zu unserem Hostel, um unsere Sachen zu packen. Für das ganze Prozedere, vom Flughafen zurück ins Hostel, Sachen packen und wieder zurück zum Flughafen, hatten wir 50 min. Dank eines ambitionierten Taxifahrers schafften wir alles ohne Probleme. Unser erster Flug in Bolivien funktionierte problemlos.

In Santa Cruz hielten wir uns nicht lange auf. Die Stadt hat nicht wirklich viel zu bieten und ist überfüllt mit kommerziellen Werbebannern. Unser eigentliches Ziel für 3 Tage war der Ort Samaipata. Ein paradiesischer Ort, der vom Regenwald umgeben ist. Hier hatten wir unsere beste Hostelerfahrung in Bolivien mit pikobello sauberen, schönen Zimmern und Essen, was auch aus einer 4 Sterne Küche hätte kommen können. In Samaipata besuchten wir die Inkastädte El Fuerte, machten einen Tagesausflug in den Amboronationalpark und badeten unter zahlreichen Wasserfällen. Bei dem einen Wasserfall, der etwas außerhalb lag und scheinbar nur bei Insidern bekannt war, waren Toni und ich vollkommen allein. Wir fühlten uns ein bisschen, wie Adam und Eva.
  

El Fuerte

Nach der kleinen Dschungelerfahrung in Samaipata folgte unser großes Dschungelabenteuer. Von Santa Cruz flogen wir zurück nach La Paz, um anschließend weiter nach Rurrenabaque zu fliegen. Von hier begann unsere 4-tägige Tour in den Dschungel. Der Flug dauerte nur 50 min., aber die klimatische Veränderung war enorm. In La Paz befanden wir uns auf 3.600 m Höhe und hatten ca. 15 Grad. In Rurrenabaque befanden wir uns auf 200 m Höhe, hatten 100 % Luftfeuchtigkeit und ca. 25 Grad. Einerseits war es schön nicht mehr frieren zu müssen, andererseits mussten wir uns wieder ans Schwitzen gewöhnen. Hat alles sein Für und Wieder.

In Rurrenabaque schliefen wir eine Nacht. In dieser fing es wahnsinnig doll an zu regnen, was natürlich nicht untypisch für den Regenwald ist. Genauso typisch für diese Region ist aber der Fakt, dass das Wetter sich sehr schnell ändert und so hofften wir, dass es am Morgen aufhören wird zu regnen. Falsch gedacht, es regnete und regnete. Nach dem Frühstück holte uns unser Guide ab, der komplett unter einem Regenponcho versteckt war. Nun hieß es auch für uns andere Regenjacken an und raus ins Nass. Wir waren 5 Leute in unserer Gruppe. Neben uns nahmen ein englisches Paar und ein Schweizer an der Tour teil. Es ergaben sich wieder sehr nette Bekanntschaften. Wir folgten also unserem Guide, der uns zu dem Boot führte, mit dem wir 5 h auf dem Rio Beni tief in den Amazonasregenwald hineinfuhren. Zum Glück war das Motorboot überdacht, denn während der ganzen Fahrt regnete es weiter. Wir sahen unsere Tour schon buchstäblich ins Wasser fallen, doch als wir in unserem Camp ankamen, verzogen sich die Regenwolken und die Sonne zeigte ihr schönes Gesicht. Das Camp war einfach nur traumhaft. Wir hatten eine natürliche Lagune, in der wir uns später ein bisschen abkühlten und unsere Hütten waren sehr komfortabel. Aufgrund der Hitze waren sie nur von Moskitonetzen umgeben, weshalb wir mit den Lauten des Dschungels einschlafen und aufwachen konnten. Das Bad sah richtig luxuriös aus, es war sogar gefliest. Somit war es um einiges besser, als manches Hostel, indem wir schliefen. Fließend Wasser und solarstrombetriebene Lampen gab es auch. Das Wasser war natürlich kalt, aber bei dem Klima war das auch ganz angenehm.
Seine Bezeichnung als Ökolodge hatte sich dieses Camp wahrlich verdient. Bei unserer Suche nach einem passenden Tour Anbieter lasen wir, dass viele dieser Touren auf Kosten der Natur-und Tierwelt stattfinden. Tiere werden von den Guides angefüttert oder auch gefangen gehalten, nur damit den Touristen 100 % garantiert werden kann, dass sie wilde Tiere sehen und tolle Bilder schießen können. Da wir die Natur in ihrem ursprünglichen Sinne entdecken wollten, entschieden wir uns gegen solch einen Anbieter.
Unsere Tour war zwar um einiges teurer, als die der zuvor erwähnten Anbieter, dafür aber jeden Cent wert. Mit Hilfe von außerhalb bauten Einheimische, die in dem nächsten Dschungeldorf wohnen dieses Camp. Alle Mitarbeiter stammen aus diesem Dorf. Die Guides kennen den Dschungel also wie ihre Westentasche und schätzen ihn.
Das Geld der Touristen kommt zu 100 % diesen Einheimischen zugute. In den letzten fünf Jahren wurde hiermit eine Schule in dem Dorf gebaut, die ärztliche Versorgung verbesserte sich und alle Mitarbeiter bekommen eine gute Ausbildung, die auf den Tourismus ausgelegt ist.
Unser Guide Ricardo sprach 3 Sprachen (Quechua, die Sprache der Inkas, Spanisch und Englisch) und er machte uns darauf aufmerksam, dass wir bitte nichts anfassen sollen, keine Pflanzen und Tiere.
Einerseits kann es gefährlich sein, wenn man das macht, denn es kann immer sein, dass sich unter einem Blatt eine Spinne oder an einem Baum eine Raupe befindet, die giftig ist. Andererseits kann das Anfassen von Tieren Krankheiten übertragen. Wir hörten von anderen Touristen, dass die Guides Alligatoren anfütterten, sodass sie ganz nah ans Boot kamen oder Würgeschlangen den Touristen gaben, damit sie sich diese um den Hals legen können. All diese Tiere sind keine Kuschel-, sondern wilde Tiere und solch ein Umgang ist einfach nur unverantwortlich und gefährlich.
Zurück zu unserer Tour. Jeden Tag unternahmen wir drei Wanderungen in den Dschungel, zwei am Tag und eine, wenn es Dunkel war.
Ricardo war wirklich faszinierend. Wir Touristen laufen so umher, sehen uns hören nichts besonders und auf einmal bleibt unser Guide stehen, schaut nach oben und sagt Affen und da sehen wir eine Horde von Affen, die in den Bäumen umhertollen. Ein anderes Mal zeigt er auf den Boden und zeigt uns Riesenameisen, die bis zu 5 cm groß sein können. Beißen diese kleinen Biester dich, hast du 24 h höllische Schmerzen. Zum Glück blieb uns diese Erfahrung erspart. Eigentlich kann man diese Tierchen nicht übersehen, aber als Leihe sieht man solche Sachen im Regenwald nicht. Alles ist einfach nur wahnsinnig grün und sehr dicht bewachsen. Schaut man 20 oder 50 Meter in den Wald hinein, sieht man nur noch grün. Wir hörten beispielsweise oft, dass eine Horde von Wildschweinen sehr nah war, sie machen ziemlich viel krach, wenn sie durch den Wald streifen, sehen konnten wir sie jedoch nicht. Dafür sahen wir einen Tapir, was sehr selten vorkommt.
Selbst Ricardo sagte, dass er noch nie einen Tapir aus solche Nähe gesehen hatte, er war nur ca. 10 m von uns entfernt. Ich habe solch ein Tier zum ersten Mal gesehen. Für mich sah es aus, wie eine Mischung aus einem Schwein und einem Elefanten, ziemlich witzig.
In der Nacht wirkte der Dschungel komplett anders, er hatte etwas mystisches. Wir hatten das Gefühl beobachtet zu werden und irgendwie wurden wir das auch. Überall, wo wir mit unseren Stirnlampen hin leuchteten, sahen wir acht Augen. Ich weiß nicht, wie viele unterschiedliche Spinnen uns begegneten. Nachts waren deren Netze einfach überall. Bzw. die giftigen, die keine Netze haben, saßen auf Blättern und lauerten auf Beute. In unserem Camp konnten wir jeden Abend eine Tarantel sehen, die es sich auf einem der Dächer einer Hütte bequem machte. Jeden Abend saß sie an der gleichen Stelle, sodass man denken konnte, dass sie eine Attrappe war. Doch sie war genauso echt, wie der kleine Kaiman, den wir bei der einen Nachtwanderung sahen und die Sardinen, die mit ihren Flossen Geräusche, die so laut waren wie eine Kettensäge waren, von sich gaben.

Am zweiten Tag hatten wir eine wahrhafte und eindrucksvolle Dschungelerfahrung. Unser Guide wollte etwas abkürzen und von dem einen gekennzeichnetem Weg auf dem parallel verlaufenden Weg direkt durch den dicht bewachsenen Dschungel laufen. Gesagt, getan, er mit seinem Stock vorneweg und wir hinterher. Die Sache mit dem „Bitte nichts anfassen“ funktionierte nicht mehr. Wir benötigten unsere Hände, um uns unseren Weg durch den dichten Blätterwald zu bahnen. Wir liefen und liefen, bis Ricardo plötzlich stehen blieb. Wir dachten schon, dass er wieder was tolles entdeckt hat, aber nein, er drehte sich um und sagte in einer Seelenruhe „Ich glaube, wir laufen falsch. Bleibt mal hier und wartet auf mich, ich suche den richtigen Weg“. Wir blieben also stehen und warteten. Ricardo musste nur 20 m gehen und schon war er aus unserem Sichtfeld verschwunden.
Eine halbe Stunde war vergangen und er war immer noch nicht zurück. Wir überlegten schon, was wir tun könnten, dachten auch darüber nach uns aufzuteilen, um Ricardo zu suchen. Vielleicht war ihm ja was passiert. Unsere Filmerfahrungen rieten uns aber dann ab, das zu tun. Dieses Szenario kennt man ja aus den schlechten Teenie Horrorfilmen, teilt sich Gruppe, passiert etwas schlimmes. Also blieben wir zusammen. Wir hatten ausreichend Wasser und es sollte erst in 5 h dunkel werden. Die Männer waren sich schon einig in eine Richtung zu gehen, von der sie dachten, dass es die Richtige war. Sie hatten die Wegkarte des Camps im Kopf und waren der Meinung, dass wir nach Norden laufen müssen, um wieder auf den markierten Weg zu kommen. Wir zwei Frauen wollten lieber noch auf Ricardo warten, man verläuft sich ja im Urwald wahnsinnig schnell.
Da hörten wir plötzlich einen Laut, der sich nach einem Menschen anhörte. Wir riefen Ricardos Namen und versuchten Kontakt aufzunehmen.
Der Laut wurde immer mal schwächer, weshalb wir auch die Überlegung hatten, dass es gar nicht Ricardo war, sondern ein wildes Tier.
Nach weiteren Versuchen der Kontaktaufnahme waren wir uns jedoch sicher, dass es Ricardo war. Wir folgten also diesem Laut und siehe da, wir fanden ihn. Ricardo hatte den richtigen Weg gefunden und wollte uns gerade abholen. Als wir ihm erzählten, in welche Richtung wir gehen wollten, schmunzelte er und sagte in seiner ruhigen Art, dass wir in die vollkommen falsche Richtung gelaufen wären. Wir wären nur noch tiefer in den Urwald hinein gelaufen. Ach ja er erwähnte noch in einem kleinen Nebensatz, dass die Wegkarte im Camp nicht nach Norden, sondern nach Westen ausgerichtet wäre. Gut zu wissen.
(Technischer Einwurf: Auf Karten gehört ein Nordpfeil!)
Zurück im Camp zogen wir ihn ein bisschen damit auf, dass er sich verlaufen hatte. Wir merkten jedoch schnell, dass ihm dieser Vorfall etwas peinlich war und sehr, sehr leidtat, weshalb wir unsere Witzchen ließen.
Da alles gut ausgegangen ist, konnten wir im Nachhinein über dieses Ereignis lachen. Wir bezahlten für den Dschungel und bekamen eine waschechte Dschungelerfahrung.
Die folgenden Wanderungen verliefen planmäßig, gingen aber leider viel zu schnell rum.

Doch eine Skurrilität gibt es am Ende noch zu berichten. Im Amazonas gibt es einen Pilz, der von seinem späteren Wirt gefressen wird, diesen dann lähmt und dann als Nahrungsgrundlage für die nächsten Monate nimmt. Ricardo zeigte uns den leblosen Körper einer Riesenameise, aus der ein kleiner Stängel mit einer Art Knospe herauswuchs. Diese arme Kreatur hat also irgendwann die Sporen dieses Pilzes gefressen und schwupp die wupp wuchs aus ihr der Pilz. Schon faszinierend, wie vielfältig die Natur ist.
(Kann übrigens auch Menschen passieren)

Mit dieser kleinen Biologiestunde möchte ich den Blogeintrag abschließen. Die Tour war einfach der Hammer.


Chalalanboot 

Wilde Papaya

Ein Tarpir




Bootsfahrt auf der Lagune

Unsere Unterkunft

Tarantel in unserem Camp


Rückweg nach Rurrenabaque


Demnächst geht es weiter mit einem Bericht vom Titicacasee.

Mittwoch, 21. März 2012

Von Tupiza über Tarija nach Potosi

Vom Paradies in die Hölle

Tupiza ist eine kleine Stadt, die umgeben ist von einer zerklüfteten, roten Gebirgskette.
Entlang dieser Felsen schlängelt sich ein Fluss, sodass die Landschaft sehr an die des Gran Canyon oder an die des Wilden Westens erinnert. Untermauert wurde dieser Eindruck durch die zahlreichen Kakteen.
Ja, und wie erkundet man am besten die Landschaft des Wilden Westens, genau zu Pferd. Gesagt, getan.        
Schnell setzten wir einen Cowboyhut auf, schwangen uns aufs Pferd und ritten durch die Prärie. Tonis und mein Pferd waren sehr genügsam. Ähnlich wie wir zwei wollten auch sie die Landschaft in Ruhe genießen. Als uns doch mal der Sinn nach einer etwas schnellen Reise war, konnten wir unsere Pferde zu einem gelegentlichen Traben überzeugen, Galopp war nicht drin. Sicherlich war das auch besser so, schließlich sind unsere Reitkenntnisse sehr begrenzt.
Die Pferde der anderen Mitstreiter unserer Gruppe waren ungezähmter. Sie galoppierten öfters vorne weg und auch wenn die Reiter nicht erfahrener waren, als wir, hielten sie sich erstaunlich gut auf dem Pferderücken. 


Aussicht vom Cerro del la Cruz


Umland von Tupiza
Casa Dorada in Tarija
Nach dieser Wild West Erfahrung gelustete es Toni und mir nach einem guten Tropfen Wein.
Tarija war hierfür der beste Ort. Hier werden die besten Weine Boliviens produziert. Tarija erreichte auf unsere Liste der schönsten Städte Boliviens Platz 1. Die Stadt war ganz anders, im Vergleich zu den schon gesehenen Städten
Sie ist sehr sauber, geschmückt mit vielen grünen Parks und zahlreichen, gut erhaltenen Kolonialbauten und die Einheimischen sind wahnsinnig freundlich.
Vielleicht ist diese freundlich Art auf den Konsum des guten Weines zurück zu führen, vielleicht aber auch auf das angenehme gleichbleibende Klima von ca. 27°C.
Wir mussten uns auf jedem Fall von der Qualität der Weine selbst überzeugen, weshalb wir eine Weintour unternahmen. Wahrhaftig wurden die Weine ihrem Ruf komplett gerecht. Sie waren vollmundig, fruchtig und zu einem guten Stück Camembert oder einer Scheibe Parmaschinken hat sich das Aroma prächtig entfaltet. Ein absoluter Gaumenschmaus. Untermauert wurde das ganze durch gute Gespräche mit unserem Fahrer (wir freuten uns, dass wir so viel verstanden und er vor allem uns verstand) und einheimischer Livemusik.
Insgesamt war das ein wunderschöner und genussreicher zweitägiger Aufenthalt in Tarija.

Singanibrennerei



Und dann kam Potosi.
Potosi war eins die reichste Stadt von Bolivien und einer der reichsten Städte der Welt. Grund hierfür waren die hohen Silbervorkommen in dem ortsansässigen Cerro Rico (reicher Berg) und deren Abbau.
Als die Spanier Südamerika eroberten und es kolonialisierten wurde Potosi von ihnen komplett geschröpft. Einheimische und Menschen aus Afrika wurden versklavt, um das Silber aus der Mine für die Kolonialmacht abzubauen. Die Bedingungen unter denen die Menschen arbeiten mussten waren unmenschlich und tödlich. In dieser Zeit gab es weder Dynamit noch mechanische Hilfsmittel, weshalb die Arbeiter das Gestein mit Manneskraft bearbeiten mussten. Der Schriftsteller Eduardo Galeano, der dieses traurige Kapitel Potosis verarbeitet, schrieb 1982 in seinem Buch „Die offenen Adern Südamerikas“, dass die Spanier so viel Silber aus dem Berg holen ließen, dass sie eine Brücke aus Silber von Potosi nach Spanien hätten bauen können. Gleichzeitig hätte man mit den Leichen der Arbeiter ebenfalls eine Brücke über die gleiche Distanz bauen können. Zum Teil mussten die Arbeiter, die meist Sklaven aus Afrika oder die Einheimische indigene Bevölkerung waren, bis zu 6 Monate dauerhaft unter Tage bleiben. Wenn sie nach diesem halben Jahr aus der Mine raus durften, wurden ihre Augen verbunden, damit sie nicht durch das Sonnenlicht erblinden. Ca. 8 Mio. Arbeiter starben in rund 300 Jahren auf Grund der unmenschlichen Bedingungen.

Doch die Zeiten haben sich verändert. An den schicken Kolonialbauten kann man den einstigen Glanz der Stadt erahnen. 










Aus dem Cerro Rico werden immer noch Mineralien abgebaut. Heute arbeiten die Männer in der Mine jedoch freiwillig, um ihre Familie zu unterstützen. In guten Monaten können sie 100-400 Euro verdienen, was im Vergleich zu dem normalen Lohn von ca 80 Euro sehr viel ist. Der Preis, den sie dafür bezahlen, ist jedoch außerordentlich hoch.
Bei einer Minentour konnten Toni und ich uns selbst von den noch immer sehr schwierigen Arbeitsbedingungen überzeugen.
Wir waren 2 Stunden in der Mine und waren heil froh, als wir wieder raus waren. Potosi liegt auf 4.000 m Höhe, was das Atmen etwas erschwert. Je weiter wir in die Mine liefen, desto wärmer und stickiger wurde es. Am wärmsten Punkt waren es ca 40°C. Die Gänge waren furchtbar eng, sodass wir an manchen Stellen nur auf allen Vieren kriechend oder an der engsten Stelle uns nur im Liegen robbend den Weg nach Draußen bahnen konnten.
An einer Stelle war die Luft, auf Grund der Mineralien, so dünn und stickig, dass Toni und ich fast in Panik gerieten. Wir beruhigten uns gegenseitig und krochen weiter. Wie gesagt und das waren nur 2 Stunden. Die Männer arbeiten dort unten 8, 10 in seltenen Fällen auch 20 Stunden 5 oder mehr Tage in der Woche. Während der Zeit in der Mine haben sie nichts zu essen. Sie kauen die ganze Zeit Cocablätter und ihre einzigen Hilfsmittel sind Dynamit und zum Teil mechanisch funktionierende Bohrer. Zum Feierabend trinken sie ein alkoholisches Getränk, das aus Limonade und 96% Alkohol besteht.
Coca ist nicht illegal und hat auch keine berauschende Wirkung. Von Ausländern wird es oft mit Kokain verwechselt, was absolut falsch ist. Die Droge wird zwar aus den Blättern gewonnen, die Blätter in ihrer natürlichen Form sind aber ungefährlich. Das Kauen von Coca soll das Hunger- und Schmerzgefühl senken und gegen die Höhenkrankheit helfen.
In der Mine werden Heute noch etwas Silber (das was die Spanier noch übrig gelassen haben) Zinn, Quarz und andere Mineralien abgebaut.
Das zu erreichende Lebensalter der meisten Arbeiter liegt bei 45-50 Jahren. Todesursache ist in den meisten Fällen die so genannte Staublunge, die durch den Mineralienstaub erzeugt wird.

Die Tour war für uns eine sehr lehrreiche, aber auch erschütternde Erfahrung. Wir können ohne Zweifel sagen, dass diese Leute wahnsinnig viel leisten, aber einen Höllenjob haben.




Vor dem Einstieg in den Berg

In dem Berg

Nach dem Berg (man beachte meinen Helm)
In dem Film „The Devils Miner“ wird die Geschichte sehr anschaulich verarbeitet.
Für alle Interessierten, hier der Link:



Wir melden uns später wieder aus dem Regenwald… 


Montag, 12. März 2012

Salar de Uyuni

Einmal Uyuni und zurück bitte

Zugfahrt von Oruro nach Uyuni
Nach den turbulenten Tagen des Karnevals ging es für uns weiter nach Uyuni. Unser Ziel der Salar de Uyuni, die größte Salzebene der Welt.
Wir entschlossen uns eine 3-Tagestour zu unternehmen.
Zusammen mit drei Mädels aus der schönen Stadt London und einer Italienerin, die in Deutschland aufgewachsen ist, starteten wir mit ½ stündiger Verspätung (in Bolivien ja absolut normal) in den ersten Tag.
Unser Fahrer war sehr schweigsam. Erst nachdem wir ihn nach seinem Namen fragten, verriet er uns, dass er Edwin hieß.
Der 1. Stopp, eine Art Zugfriedhof, auf dem alte, ausgediente Züge ihre letzten Tage dahinrosteten, haute uns nicht wirklich vom Hocker. Der zweite Stopp war verheißungsvoller.



Ich fands gut

Edwin chauffierte uns auf den Salar de Uyuni. Aufgrund der Regenzeit kann der Salar jedoch nicht mehr als Salzebene, sondern nur als Salzsee bezeichnet werden. Unser Fahrer schien etwas Bedenken zu haben, ob er die Fahrt fortführen soll. Bei dem Anblick der Jeep Karawane, die sich auf dem Salzsee fortbewegte, wagte auch er die Fahrt ins salzige Nass. Seine Besorgnis war verständlich, schließlich weiß jeder, dass Salzwasser kein Segen für den Motor ist. Zum Glück stand das Wasser nicht hoch und so konnten wir uns mit Schrittgeschwindigkeit unseren Weg bahnen.





Die Erklärungen unseres Guides blieben weiterhin spärlich. Gut es wäre nachvollziehbar gewesen, wenn keiner von uns spanisch gesprochen hätte, dem war aber nicht so. Daniela, die Italienerin, sprach neben fließend italienisch, deutsch und englisch auch spanisch. Toni und ich verstehen mittlerweile auch etwas spanisch, weshalb es ein Leichtes gewesen wäre, alle eventuellen Erklärungen den nicht spanisch sprechenden Engländerinnen zu übersetzen. Die Schweigsamkeit Edwins verbesserte sich im Laufe der Tour leider nicht, weshalb es an Daniela und an uns hängen blieb, Fragen bezüglich der Landschaft zu stellen. Teilweise schienen seine Antworten etwas fadenscheinig.
Kurz am Rande sollte ich hier erwähnen, dass dieses Verhalten kein böser Wille ist. Fragt man Bolivianer nach dem Weg, antworten sie immer. Es ist egal, ob ihre Aussage stimmt oder ob sie keine Ahnung von dem haben, was sie sagen. Dieses Verhalten ist ihr Ausdruck von Höflichkeit. Hauptsache immer höflich Rede und Antwort stehen, das ist die Devise.
Scheinbar handhabte es Edwin genauso, was ihn zu einem lausigen Führer machte. Jedoch muss ich ihm seine Fahrkünste zugute heißen. Darin war er gut.

Zurück zum Salar. Bei unserem 3. Stopp hieß es Schuhe ausziehen und rein ins salzige Vergnügen. Der Blick zum Horizont erzeugte ein Trugbild. Himmel und Salzsee schienen eins zu werden. Es sah aus, als würden sie mithilfe eines riesigen Spiegels ineinander verschmelzen. Vor dieser eindrucksvollen Kulisse ließen wir uns unser Mittagessen schmecken. Nach diesem und unzähligen lustigen Schnappschüssen, machten wir uns auf den Weg zu unserem ersten Domizil.






Der Salar de Uyuni 
Am zweiten Tag wurden wir um 6 Uhr in der Früh von dem nervigen Geräusch geweckt, dass der Anlasser eines Autos macht, wenn es nicht anspringen will. Immer und immer wieder drehte der Fahrer den Zündschlüssel um, in der Hoffnung, dass der Jeep endlich anspringen würde. Der Fahrer schien mit solcher Gewalt das Auto zum Anspringen zwingen zu wollen, dass wir förmlich die Stille herbeisehnten, die ein Auto von sich gibt, wenn es vollkommen den Geist aufgegeben hat. Doch das Auto und der Fahrer kämpften erfolglos weiter. Der kurze Blick aus dem Fenster verschaffte uns Erleichterung. Es war nicht Edwins Jeep, der nicht anspringen wollte. Edwin war schon auf den Beinen. Tatkräftig stand er seinem Fahrerkumpel zur Seite und half ihm bei der Lösung des Problems. Leider war auch nach 3 h noch keine Lösung gefunden. Edwin meinte später, dass wahrscheinlich der Anlasser kaputt war.
Für unsere Gruppe ging mit einer ½ stündiger Verspätung weiter in einen Nationalpark. Hier sahen wir mehrere Lagunen, in denen sich zahlreiche Flamingos aufhielten.
Die Landschaft erinnerte sehr, an die der Atacamawüste, was nicht verwundert. Die Wüstenregion in Bolivien geht auf der chilenischen Seite über in die Atacamawüste.
Sehr eindrücklich war die Laguna Colorado, die wir von Weitem rot schimmernd sahen. Je näher wir kamen, desto mehr sah es aus, als hätte man Unmengen von Blut in das Wasser gekippt. Erzeugt wird diese Farbe durch Mikroorganismen, die sich im Wasser befinden. Die zahlreichen schneebedeckten Vulkane rund um die Lagune bereicherten den Panoramaanblick. Viele dieser sind noch aktiv, weshalb auch die Geysire, die wir am 3. Tag besichtigten, voller tosender, speiender und dampfender Aktivität sind. Mehr dazu aber später.
Auf anderen Lagunen schwamm eine milchige Flüssigkeit. Auf unsere Nachfragen erklärte uns Edwin, dass diese Mineral Borax heißt. Es wäre eine Substanz, aus der man Plastik gewinnen würde.
Dieser Naturschutzpark strotzte nur vor ungestümer, gegensätzlicher Landschaft. Am Horizont thronten die schneebedeckten Vulkane und direkt vor uns erstreckte sich die Laguna Colorado. Diese Kulisse erinnerte mich sehr an Schottland. Fast erwartete ich, dass aus der Lagune ein Kopf eines Uhrzeitsauriers auftauchte.
Die traurige Wirklichkeit ist jedoch, dass man sich wahrscheinlich nur für eine begrenzte Zeit an diesen Naturwundern erfreuen kann. Die Bolivianer geben weniger auf ihre Nationalparks Acht als es die Argentinier oder Chilenen tun. Zwar liegen hier keine Müllberge, wie wir es oft in der Landschaft außerhalb der Städte sahen. Für den Schutz der Tiere werden die Touristen von den Guides jedoch nicht sensibilisiert. In Chile wurde uns gesagt, dass wir nicht zu nah an die Lagunen heran laufen sollen. Es würde die Flamingos verschrecken, was zur Folge habe, dass sie wegfliegen und ihre Eier am Rande der Lagune zurücklassen würden. Für Raubvögel ist das ein gefundenes Fressen.
Als wir Edwin fragten, warum keiner der Guides seine jeweiligen Gruppen darüber informierte, sagte er nur: „ Das ist hier gar kein Problem. Die Touristen können an die Ufer nah heran, denn die Flamingos hier legen ihre Eier an das Ufer einer anderen Lagune. Zu dieser Lagune dürfen keine Touristen.“
Unsere Meinung wieder so eine halbherzige Erklärung.










Laguna Blanca


Laguna Colorado

Der dritte und letzte Tag unserer dennoch sehr schönen Tour begann früh um 5 am Morgen.
Bevor wir uns auf den Weg zu den Geysiren machten, betrachteten wir kurz den weitläufigen Sternenhimmel. Hier „In the middle of nowhere“ sahen wir fast so viele Sterne, wie in San Pedro de Atacama.
In 5.000 m Höhe eröffnete sich unser Blick auf ein Geysirfeld. Von Weitem sahen wir die rauchenden Löcher. Wütend wie ein Drache, der aus seinen Nasenlöchern Rauch hinausbläst, speiten die Geysire Wasserdampf aus. Überall blubberte es. Das Gemisch aus Schlamm und Wasser versuchte sich an die Erdoberfläche zu kämpfen. Der Ausstoß von Schwefel erzeugte den Geruch von faulen Eiern. Beelzebub würde sich hier sicherlich sehr wohl fühlen. Nach dieser bizarr unterirdischen Erfahrung fuhren wir in den ganz irdischen Sonnenuntergang. Um 7.30 Uhr genehmigten wir uns ein wohltuendes Bad in einer heißen Quelle. Die Außentemperatur betrug ca. 10°C. Kein Wunder, dass es etwas Überwindung kostet, sich unserer warmen Sachen zu entledigen und nur mit den Badesachen bei diesen nicht sommerlichen Temperaturen umher zu laufen. Da half nur schnell in die 40 C warme Quelle und die schöne Aussicht genießen.
Im Anschluss an diese körperliche Entspannung endete unser Tour mit Besichtigung einer grünen Lagune und eines kleinen Dorfes.
Nach der Verabschiedung von unseren restlichen Gruppenmitgliedern ging es für Toni und mich weiter nach Tupiza.






Geysire


Thermalquellen


Wüste Salvador Dali